Jugendlager: Mit der selbstgebastelten Murmelibahn direkt ins Kinderherz
Trainieren im Weltall, tanzen im Raumschiff und basteln auf einem anderen Planeten? Das war alles möglich am diesjährigen Jugendlager der Handballerinnen und Geräteturner des Turnvereins Balsthal und der Oensingen Panthers.
Nico Schwab
Wo beginnt man, wenn man einen Bericht zum Lager schreibt? Beim wilden Ausflug ins Schwimmbad, beim köstlich riechenden Steckenbrot auf der Wanderung – oder doch bei den neugierigen Kinderaugen in einer Nacht im Wald beim Ausgraben einer Schatzkiste? Ich entscheide mich heuer für eine Murmelibahn quer durchs ganze Lagerhaus. Aber alles der Reihe nach…
Am diesjährigen Jugendlager des TV Balsthal und der Oensingen Panthers in Lungern im Kanton Obwalden sind die 43 Kinder – aufgeteilt in sechs Crews – Belegschaft eines Raumschiffes auf dem Weg zur Sternenflottenakademie. Doch es gibt ein Problem: Die «Stella Nova» erleidet kurz nach Abreise einen Antriebsschaden. Es fehlt Energie. Um sie wieder zum Fliessen zu bringen, müssen die jungen Kadettinnen und Kadetten im Lagerhaus eine Murmelibahn bauen – von ganz oben nach ganz unten. Auftrag klar, und die Mission? Erfüllt?
Sofort machen sich die Kids an die Arbeit. Sie greifen nach einem Stück Karton und biegen es zu einem U, kleben es an die Wand – und testen ihre Konstruktion. «Es hat funktioniert!» Wie in einem Bienenhaus surren die Kinder umher, Klebestreifen hier, Schnur und Schere da. Sie sitzen auf der Treppe. Die Zunge schaut etwas heraus. Sie hirnen: «Schaffen wir einen Looping?», «wie wäre es mit einer Schanze?» und «komm, wir machen eine Brücke übers Treppengeländer».
Crew-Leiter werkeln mit den Kleinsten zusammen an einer Spirale zum Einbauen. Die etwas älteren Kinder packten mit an und die Hilfsleiterinnen und -leiter überdecken am Schluss und unter Zeitdruck das wohl aus Versehen verkehrt herum aufgemachte Klebeband – ein grossartiges Zusammenspiel. Wer gedacht hätte, die heutigen Kinder seien für nichts mehr zu begeistern ausser Dingen vor Bildschirmen, wurde an jenem Abend eines Besseren belehrt. Soll noch jemand sagen, Murmelibahnen seien veraltet und gehörten der Boomergeneration an.
Doch es wurde nicht nur gebastelt, sondern auch kräftig geschwitzt. Während des Lagers absolvierten die Kinder sechs sportartenspezifische Trainings, übten einen Lagertanz (mit Bravur!) ein und gingen am Wandernachmittag auf Rätseljagd – manche dürften das Löwenzahn-gelb auf den Backen erst Tage später ganz wegbekommen haben.
Die Kadettinnen und Kadetten bauten auch ein Mini-Ökosystem aus gebrauchten PET-Flaschen, während die Grösseren einen Abend im Bowlingcenter verbrachten. Am letzten Tag nach der Abschlusszeremonie wurde schliesslich noch ausgiebig gefeiert – bis sich sprichwörtlich die Balken bogen.
Die Kinder konnten lachen, sich auspowern, selbst besser kennenlernen, Grenzerfahrungen machen. Sie erlernten neue Fertigkeiten, neues Wissen, das sie im Alltag gebrauchen können. Und schliesslich dürfte beim einen oder der anderen Kreativität und Neugier geweckt und Erinnerungen geschaffen worden sein – in Lungern auf der «Stella Nova» auf dem Weg zur Sternenflottenakademie.
Ein spezieller Dank gebührt dem OK, den beiden Hauptlagerleitern Silas Roos und Fabian Müller, Lara Uebelhart, Katja Dietschi und Maximilian Geier. Ebenfalls ein riesiges Dankeschön gelten dem fähigen und geliebten Küchenteam Fränzi Roos (Leitung), Senta Aeberhard, Bernhard Mösching und allen Leiterinnen und Leitern, die dieses Lager zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.



